Benefizkonzert Final Prayer, War From A Harlots Mouth u.a. – 24.07.09 – SO36 – Berlin
29. Juli 2009 von das hainkind
Nachdem ich einige Konzerte größerer Bands miterleben durfte, will ich mich nun mehr der Berliner Szene widmen. Bei mittelmäßigem Sommerwetter machte ich mich am Freitag, 24.07.2009, auf um mir das Benefizkonzert im SO36 anzuschauen.
Dem Berliner Szeneklub in der Oranienstr. 190 in Berlin-Kreuzberg droht aufgrund von Ruhestörung nun die Schließung. Eine gute Gelegenheit um die Berliner Musikszene zu aktivieren und viele gute Bands für einen guten Zweck spielen zulassen.
Diesmal mit dabei waren Fat Mans War Face, HYD3 vs. JIGSAW, Final Prayer und War From A Harlots Mouth. Es war also eine bunte Mischung aus HipHop, Newmetal, Old School und Chaos Metal. Ich war gespannt wie die Stile sich ergänzten und wie das Publikum darauf ragierte.
Der Flyer sagte mir, dass die Show um 19:30 losgehen sollte. Als ich dann gegen 20:30 das SO36 betrat war die erste Band laut Playlist schon fertig, sodass ich hier nicht weiter drauf eingehen werde.
Fat Mans War Face
Pünktlich zum ersten Takt von Fat Mans War Face schlängelte ich mich vorbei an aufgeheizten Gemütern in Richtung Bühne. Das SO war noch abgedunkelter als bei meinen letzten Besuchen. Mit sattem Sound stiegen die Jungs um Sänger Felix in ihr Set ein. Ich habe Fat Mans War Face bereits im Dezember im Berliner Lido in ähnlichem LineUp erleben dürfen. Bereits damals ist mir die Band musikalisch sehr positiv aufgefallen. Und auch diesmal setzen die Jungs ihren eigenen und eindringlichen Stil fort. Die schlichte Besetzung aus Gitarrist Max, Bassist Riccardo, Drums Alex und Vocals Felix wuchtete ein ums andere Mal sehr gut arrangierte Songs auf die Bühne und ließ das Publikum immer wieder an der Zerstörung der aufgebauten Sphäre teilhaben.
Trotz der einen Gitarre war der Sound im SO36 absolut in Ordnung und jederzeit gut abgestimmt. Fat Mans War Face schafften es immer wieder die Songs interessant und abwechslungsreich zu halten. Der Sänger nahm komplett Abstand vom Gesang und überzeugte durch raue energiegeladene Shouts. Nicht zu viel, nicht zu wenig – eine sehr gute Dosierung. Immer wieder konnten Gitarre und Bass Stimmungen aufbauen und diese mit Double Bass Parts und harten Vocals einreißen. Für mich eine sehr gelungene Show der Jungs und allemal mehr als nur ein Opener.
Einziger Kritikpunkt war die Gesamtbewegung auf der Bühne. Sänger Felix ist ein Riese auf der Bühne, wirkt aber hin und wieder unbeholfen. Als er dann in die ersten Reihen abtauchte und mit dem Publikum mittanzte, dachte ich Nessie lebt. Bass und Gitarre ließen gute Showansätze durchblitzen. Das teilweise synchrone Gespringe in den einzelnen Songs und das Abklatschen in den Songs kam gut beim Publikum an. Die Drums sind mir nicht negativ aufgefallen.
Ich werde Fat Mans War Face weiter im Auge behalten und kann diese Band an der Stelle nur empfehlen.
Band: Fat Mans War Face
Wertung: 7/10
Web: http://www.myspace.com/fmwf
HYD3 vs. JIGSAW
Diese Konstellation aus der Newmetal-Kombo Jigsaw und dem HipHop-Duo von Hyd3 habe ich im Knaack bereits einmal gesehen und war damals echt positiv von der Performance und der Idee diese beiden Stile auf diese Art und Weise zu verbinden überrascht. Ich war also gespannt was die Jungs diesmal aus dem Zylinder zauberten.
Den Anfang machten die Sänger von Hyd3, die nach den ersten härteren Rapattacken von Jigsaws Gitarren und Bass unterstützt wurden. Jigsaw Sänger Ferenc kam mit einer Kamera auf die Bühne und filmte munter das rege Treiben auf und vor der Bühne. Die Jungs hatten sichtlich Spaß und rissen vor allem das junge Publikum an sich.
Ferenc und Hyd3 machten ihre Sache auf der Bühne sehr ordentlich. Hin und wieder verrutschte Mal ein Ton aber das ist ja auch nur menschlich.
Die Stimmung ließ sich durch den gekonnten Einsatz von aufblasbaren Wasserbällen, die ins Publikum geworfen und noch lange nach Konzertende missbraucht wurden, steigern. Nach und nach kamen die ersten Reihen in Schwung und sprangen heiter mit. Die hinteren Reihen blieben dabei meist unbeeindruckt und wartete auf die kommenden Bands.
Insgesamt konnte die Show leider nicht an die im Knaack anknüpfen. Auch wenn alle auf der Bühne ordentlich Gas gaben Sprang der letztendliche Funke nicht komplett über – dennoch eine solide Leistung. Die Konstellation Jigsaw vs. Hyd3 gehört für mich mehr in einen kleineren Klub. Weniger Leute gezielt ansteuern war im Knaack das bessere Konzept.
Band: HYD3 vs. JIGSAW
Wertung: 6/10
Web: http://www.myspace.com/smashupberlin
Final Prayer
Es bahnte sich der Old School Act an. Die Band um Sänger Stephan betrat in gewohnter Posermanier die Bühne und legte auch gleich satt los. Das Dreier-Gespann aus Fat Mans War Face, War From A Harlots Mouth und Final Prayer absolvierte im Dezember eine Tour, bei der stets Final Prayer der Headliner war.
Stephan am Gesang ist für mich nicht der beste Sänger, aber einer, der immer Gas gibt und auch vor Heiserkeit nicht zurückschreckt, was man in den Sprechpausen stark merkte. Final Prayer überzeugten auf der Bühne mit wilden Moves und aggressiver Stimmung. Mir waren das ganze Rumgerotze auf der Bühne und das Versprühen von Aggression zu viel. Die vorderen Reihen nahmen diese auf und wandelten sie ihrerseits in wildes Pogen um. Final Prayer boten wieder einmal eine sehr gut abgestimmte Show, die durch gut einstudierte Bewegungen auch den brachialen Sound unterstützte.
Mir hat die Show diesmal nicht so gefallen. Zuviel Aggression und zu viel Wut die die Bühne beherrschte, lenkte von der Musik zu oft ab. Final Prayer haben mich auf ihrer Show im Dezember im Berliner Lido mehr überzeugt.
Band: Final Prayer
Wertung: 5/10
Web: http://www.finalprayer.de
War From A Harlots Mouth
Letzte Band des Abends ließ wenig später noch einmal die Bühne erbeben. War From A Harlots Mouth rockten ihr Set im Stil von Dillinger Escape Plan und ähnlichen Chaos Metal Bands. Es war einfach beeindruckend mit welcher Hingabe die Jungs die Songs darboten und wie abwechslungsreich Song für Song den Weg von der Bühne ins Publikum fand.
Immer wieder ließen WFAHM Jazzelemente mit in Ihre Songs einfließen, was das ohnehin schon sehr abwechslungsreiche Set noch einmal interessanter machte. Die 5-köpfige Band war für mich ein gelungener Abschluss und konnte allemal als Headliner mithalten.
Eine durchweg positive Spannung und auch der Spaß auf der Bühne übertrugen sich immer wieder auf die ersten Reihen.
Sänger Nico forderte zum Ende des Sets das Publikum auf die Bühne zu entern. Gesagt getan – schnell waren 20 Leute auf der Bühne, die beim nächsten Song auch stagedivend die Bühne wieder verließen.
Zum Ende der Show hin hatte ich das Gefühl, dass der Sänger etwas schwächelte und nicht mehr die Kraft in der Stimme hatte, die er zum Beginn des Konzertes aufbrachte.
Insgesamt boten jedoch War From A Harlots Mouth eine sehr gut abgestimmte und durchdachte Bühnenshow, die einfach nur Spaß gemacht hat.
Band: War From A Harlots Mouth
Wertung: 8/10
Web: http://www.myspace.com/warfromaharlotsmouth
Fazit:
Zu Gunsten des SO36 war der Laden sehr gut gefüllt. Die musikalische Qualität des Abends war genial. Die Mischung der Bands fand ich ebenfalls sehr gelungen. Alle Acts boten eine prima Show und konnten ihren Teil des Publikums auch erreichen. Alles in allem wieder einmal ein sehr schöner Abend. Nach dem gelungenen legte unter anderem noch Rod von den Ärzten auf.
Akustik / Licht:
Der Sound war den ganzen Abend über durchgängig gut. Alle Instrumente kamen zu Geltung und mir sind keinerlei negative Abstimmungen im Sound aufgefallen.
Das Licht wurde zum Ende der Show besser. Vermutlich wollte sich der Lichttechniker noch etwas für das Ende der Show aufbewahren. Schade für die ersten Bands.
Getränketechnisches:
Das SO36 bietet als Rockladen mit Becks und Berliner natürlich die Standards. Diese sind für 3,20 € zu erwerben. Alkfreies gab es schon ab 1,20 €. Da kann man nicht meckern.
Preis: 10,- € VVK / 9,- € AK
Location: SO36 (Sub Opus 36), Oranienstr. 190, 10999 Berlin
Saniäres: Naja, je später der Abend, desto unangenehmer wurden die Toiletten. Eine Klofrau fehlte gänzlich.











