Faith No More – 16.06.09 – Wuhlheide – Berlin
17. Juni 2009 von das hainkind
Wie ein kleines Kind habe ich mich auf Faith No More, die am 16.06.2009 zu ihrer Reunion-Tour einen Zwischenstop in der Berliner Wuhlheide einlegten, gefreut. Das was für den einen Metallica oder Depeche Mode sind, sind für mich Faith No More. Endlich bekam ich die Chance meine musikalischen Wurzeln noch einmal in Farbe(!) und live zu sehen.
Im Vorfeld wurde das gesamte Konzert von einem Bombenfund (400 Meter vom S-Bahnhof Wuhlheide) überschattet, bei dem ich dachte, dass das Konzert möglicherweise verschoben werden könnte, aber der öffentliche Nahverkehr funktionierte am späten Nachmittag bereits wieder einwandfrei.
Bei solchen Konzerten kann man davon ausgehen, dass man immer das ein oder andere bekannte Gesicht trifft und so war es auch. In einer großen Truppe standen wir bei sonnigem Wetter vor einem Seiteneingang, ölten die Stimmbänder und läuteten den Abend ein.
Farmer’s market
Leider konnte ich den Großteil des Programms der Band schon vorm Eingang konsumieren, sodass ich kein wirkliches Bild zu der Band habe.
Alles wirkte sehr experimentell und durch eine Vielzahl an Instrumenten zersetzt.
Naja, wer sich in den vergangenen Jahren mit Mike Patton weiter befasst hat, der weiß von seinen musikalischen Projekten. Da liegt es nah, dass Bands aus einer ähnlich experimentellen Ecke den Platz der Vorband einnehmen durften.
Beide Vorbands stehen unter Pattons Label Ipecac Recordings.
Die Wuhlheide war zu dem Zeitpunkt noch verhältnismäßig leer und nur nach und nach füllte es sich.
Band: Farmer’s market
Wertung: 5/10
Web: http://www.myspace.com/farmersmarkettheband
ZU
Diese Band des „Ipecac Recordings“-Stalls bestand aus lediglich drei Bandmitgliedern. Ein Schlagzeuger, ein Bassist und ein Saxophonist. Auch hier war wieder klar zu erkennen, dass es sich nicht um leicht verdaubare Kost handelt.
Die Basis der meisten Songs bestand aus einem Drum ’n’ Bass Rhythmus, der von teilweise absolut schrägen Tönen dem ganzen eine gewisse Würze gab. Ich habe das ein ums andere Mal Töne gehört, die ich nicht unbedingt einem Saxophon zuordnen könnte.
Was mir jedoch fehlte war ganz klar einen Stimme. Auch wenn die Band eine gewaltige Spannung aufbauen konnte und diese auch auf das inzwischen schon zahlreicher vertretene Publikum übertragen konnte, wäre hier und da etwas Gesang in meinen Augen eine Bereicherung für diese Band.
Wie im folgenden Video zusehen ist, hat Mike Patton selbst bei dieser Band schon einmal zum Mikrofon gegriffen.
Band: ZU
Wertung: 6/10
Web: http://www.myspace.com/zuband
Faith No More
Endlich – das lange Warten hatte ein Ende. Knapp 12 Jahre ist es her, als ich die Jungs das letzte Mal gesehen habe. Kurz danach wurde die Auflösung bekannt gegeben und nun – Faith no more is back!
21:00 Uhr begann das 5. Konzert der „Faith No More REUNION TOUR“. Als echter Fan konnte ich es mir nicht nehmen mich in den Innenraum der Wuhlheide zu stellen um möglichst nah am Geschehen zu sein.
Als erstes betrat Keyboarder Roddy Bottom in einem rosaähnlichen Anzug die Bühne. Mike Bordin am Schlagzeug verzichtete zum Glück auf solch einen Augenschmerz. Bill Gould am Bass topte das Rosa mit einem hellen Grün und Jon Hudson versuchte das Publikum komplett in Blau zu schocken. Den Höhepunkt brachte natürlich Mike Patton, der in einem lachsfarbenen Anzug das Quintett komplettierte. Mein erster Eindruck: „Na gut, dann nur hören…“.
Der erste Song des Abends war ein Cover des Songs „Reunited“ von Peaches und Herb. Sänger Mike Patton humpelte an einem Krückstock über die Bühne zu seinem Mikrofon.
Was sollte uns dieses Bild sagen?
Vielleicht wurden so einfach noch einmal die alten Zeiten repräsentiert. Es war allemal ein witziger Beginn des Konzertes.
Ich habe gehört, dass Mike Patton wohl tatsächlich eine Verletzung am Bein hatte. Natürlich hielt ihn das nicht davon ab trotzdem alles zugeben und eine Show abzuliefern, wie ich sie lange nicht gesehen habe. Die Band wirkte wie eine echte Einheit und überzeugte mich von Song zu Song mehr.
Das Publikum hatte längst angefangen die Texte lautstark mitzusingen und ab und an übergab Patton auch das Mikrofon an die euphorischen Massen. Inzwischen müssten so 6000-7000 Menschen den Weg in die Wuhlheide gefunden haben.
Faith no more boten alle Songs bei denen ich dachte: “Der muss aber dabei sein”.
Unter ihnen auch: “Evidence”, “Midlife Crisis”, “King for a Day”, “Epic”, “Be Aggressive”, “The Gentle Art Of Making Enemies”, “I started a Joke” und sogar “Easy” – ein wunderschönes Set der 5 Jungs aus San Francisco.
Patton & Co. ließen dem Publikum keine Pause um durchzuatmen und servierten einen Kracher nach dem anderen. Die Band hatte sichtlich Spaß auf der Bühne und kommunizierte gut miteinander. Blickkontakte, gleiche rhythmische Bewegungen bis hin zur absoluten Hingabe in einen Song waren zu sehen und zu spüren.
Die passende Lichtshow unterstützte die Songs und holte auch optisch noch mal das Letzte aus der Band raus. Inzwischen habe ich mich längst an die Anzüge gewöhnt gehabt. ;)
22:30 Uhr war dann Schluss und natürlich wollte die aufgeregte Menschenmenge eine Zugabe. Faith No More ließen sich nicht zweimal bitten und rockten eine weitere halbe Stunde was das Zeug hielt. Die 10 Jahre Pause merkte man der Band nicht an.
Um 23:00 Uhr war alles inklusive Zugaben vorbei und ich saß noch ein paar Minute da um alles sacken zulassen.
Patton war wieder unglaublich präzise in seinen Gesangslinien und konnte dennoch immer wieder frasieren und die Linie brechen, ohne dass es den Song schädigte.
Band: Faith No More
Wertung: 10/10 (hier bin ich vielleicht nicht ganz objektiv ;))
Web: http://fnm.com
Fazit:
Faith No More gehören nach wie vor zu den ganz Großen. Mit absoluter Hingabe und Spaß an der Musik haben die Jungs ihr Set runtergerockt. Der Knaller wäre sicher ein neuer Song gewesen, aber davon war ja auch im Vorfeld nie die Rede.
Ich bin gespannt was in Zukunft von Faith No More zuhören sein wird.
Akustik / Licht:
Der Sound war besser als erwartet. Bei solch größeren Veranstaltungen ist es ja öfter das Problem, dass die Akustik darunter leidet – in diesem Fall gar nicht. Es war alles sehr gut zu hören und sehr gut abgemischt.
Getränketechnisches:
Irgendwo musste an diesem Abend ja der Haken sein. Es gab Berliner Kindl in einem kleinen 0,3l Becherchen für 3,- € + 1,- € Pfand. Nicht weiter der Rede Wert.
Preis: 33,95 €
Location: Kindl-Bühne Wuhlheide, An der Wuhlheide 187, 12459 Berlin
Saniäres: Die sanitären Anlagen sind mit entsprechendem Personal sauber, gepflegt und ausreichend vertreten gewesen.











schick schick schick .. ich bin gespannt!! :D
King for a day war bei?
keen plan….
war nur sehr erstaunt ganz viele songs von den ersten beiden platten zu hören … und ich bin ja auch n fan vom alten sänger, aber respekt an patton, er hat den alten sachen neues leben eingehaucht, ohne das werk von chuck mosley zu zerstören :-)
@Toddy: sehr gutes statement und absolut zutreffend ;)
heeeyyyyy…
schön geschrieben… ;)
ich bin schon seeeehr gespannt. nachdem ich am montag dort war, gebe ich gern mal mein feedback dazu.
bis dahin – knuddel,
steffy
Schöner Artikel liebes Hainkind.
Gerade nach dem Konzert gegooglet gehabt und diese hier gefunden, nettes Review ;]
Ich hatte das Glück in Brixton dabei zu sein und es hat mich umgehauen und obwohl es emotionaler war, gefiel mir Wuhlheide auch recht gut, zumal ich hier “mitgemischt” habe ;] In Brixton stand ich in der 2ten Reihe und habe es einfach nur aufgesaugt und all die letzten Jahre von dem Traum geträumt.
Am Montag wird mein letztes, hoffentlich nicht allerletztes Konzert in Frankfurt sein, wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Jungs anschauen, es lohnt sich auf jedenfall. Die haben alle Energie wie zur goldenen “Angel Dust” Zeit, wenn ich sogar besser ;]
jau,sehr ordentliches review des gigs deinerseits!war natürlich auch selbst da und durfte mit vergnügen dem “bunten” treiben zusehen-und hören(die anzüge waren so geschmacklos,das tat echt weh,aber so sind sie halt,die jungs)
der krückstock von patton war sicher kein gag,wenn man ihn beobachtete während der gesamten show,zog er immer wieder mal das bein nach oder ging auf einem bein zum drumset.
ich tippe mal auf ne muskelverletzung.
bin echt gespannt,ob er die gesamten shows durchziehen kann,da er ja kaum ne pause hat,wie sie zb ein sportler braucht,um einen faserriss etc auszuheilen.
settechnisch war wirklich so ziemlich alles am start,was man sich erhofft hat,best of programm sozusagen.
möchte noch den lacher des abends erwähnen,als patton den inhalt eines verlorenen portmaneis vorließ und ihnzu folgender vermutung brachte:this girl must be rich-she is member of the “techniker krankenkasse”großes gejohle-keine ahnung was er dahinter vermutet,wahrscheinlich eune elitäre vereinigung von stinkreichen ingenieuren oder sonstwas.
sound top,licht aufs nötigste beschränkt,stimmung gut bis sehr gut,klasse gig,der die weite anreise ausm ruhrpott rechtfertigte.
nun hoffen wir mal,das sie doch auch noch die arbeiten zu einem neuen album starten…..
ps.sehr cool,das mir basser billy während der zwiten vorgruppe am bühnenrand sogar noch ein autogramm auf meine cap schrieb!!
Super Artikel! Ich habe mich ähnlich wie der Verfasser als großer Faith No More Fan auf den Abend gefreut und wurde nicht enttäuscht! Einige kurze Ausschnitte dazu habe ich sogar mit meiner Cam festhalten können (http://www.youtube.com/user/DieWithMe80).
Roddy twitterte übrigens, das es sich bei der Verletzung des von mir sehr hoch geschätzten und (immernoch) grandiosen Gesangstalent und Entertainers Mike Patton um “Probleme mit der Sehne” am Fuß gehandelt hat.
edit: Laut des Toilettenmannes, mit dem ich mich kurz über die Kindl-Bühne ausgetauscht habe) wurden etwas mehr als 5000 Tickets verkauft. Daher wurden auch die oberen Ränge “abgesperrt”.
Zur 23 Songs umfassenden Setlist: ich persönlich hätte mir noch Kindergarden gewünscht. :)
Ich kann meinen Vorrednern nur beipflichten. Ich bin erst seit “The Real Thing” wirklich Faith No More fan gewesen, da mich einerseits Chuck Mosley eher abgeschreckt, aber Pattons stimmliche Präsenz in den Bann gezogen hat. Musikalisch gehörten sie für mich immer zum innovativsten, was Gitarrenmucke damals zu bieten hatte.
Bis zu Ihrer Auflösung habe ich sie nie live gesehen, umso mehr habe ich mich über die reunion Tour und das Konzert hier in Berlin gefreut.
Und es hat mich echt begeistert. Wollte ich eigentlich das Konzert “brav” ansehen, gabs schnell kein Halten mehr und ich hab das Konzert begeistert gröhlend vor der Bühne gemischt.
Das Konzert war wirklich ein Hammer. Fast jedes Stück daß ich mir gewünscht hätte dabei, Patton brilliant, die ganze Band in toller Verfassung, die Stimmung war echt toll.
Ein ganz großer Abend. Schade war lediglich die schwache Besucherausbeute. Diese Band und dieses Konzert hätten mehr verdient.
alsoooooooo…
ich bin immernoch derbe überwältigt….
es war einfach nur mega genial….
mike patton ist einfach nur durchgeknallt GEIL… – bei uns in FFM allerdings mit einem knallroten anzug…
der rest hat sich auch in rosa und blau gehalten… ;)
hammer, einfach nur hammer…
und mike hat live eine noch genialere stimme als auf den platten….
HAMMA!!!!