Life of Agony – 09.08.09 – SO36 – Berlin
16. August 2009 von das hainkind
Am Sonntag eines weiteren schönen Sommerwochenendes besuchte ich wieder einmal das SO36, um mir dieses Mal am 09.08.2009 Life of Agony anzuschauen. Diese Band hatte ich bislang noch nicht live gesehen. Dennoch gehörte sie zu einer der Bands, die schon vor geraumer Zeit meinen Musikgeschmack maßgeblich mitgeprägt hatten. Die Band um Sänger Keith Caputo gibt es inzwischen seid mehr als 20 Jahren – ein Grund mehr sie sich nun endlich einmal live anzusehen.
Über den Zustand des SO36 habe ich in meinem letzten Bericht schon ein wenig geschrieben. Nach einer Anzeige wegen Ruhestörung steht der Kult-Klub in der Oranienstr. 190 in Berlin-Kreuzerg kurz vor dem Aus.
Showbeginn laut Karte war 20.00 Uhr. Grund genug, wie immer, nicht zu zeitig da zu sein und sich im Oregano gleich gegenüber des SOs noch was zu Essen zu holen. Kurz danach gab es mal wieder nichts aufregendes beim Einlass und dann konnte ich auch schon die letzten Klänge der ersten Band vernehmen.
Jud
Leider nur die letzten Lieder aber dennoch genug um mir eine Meinung bilden zu können, boten die 3 Jungs von Jud. Die Band aus Berlin, ursprünglich aus Virginia/USA, überzeugten durch ein sehr vielseitiges und abwechslungsreiches Programm. Einmal verloren sie sich in musikalischen Sphären und nahmen den Zuhörer ungefragt mit. Das andere Mal stampften sie mit solidem, durchdachten Stoner-Rock über die Bühne.
Gitarre, Bass und Schlagzeug bildeten eine gute Einheit auf der Bühne und überraschten ein ums andere Mal durch gekonnte Themenwechsel in den einzelnen Songs. Mir persönlich gefiel der Drummer sehr gut, da er nicht nur sehr schön variierte, sondern auch durch sein Mitgehen auf der Bühne sich sehr gut in Szene setzte.
Obwohl Jud als Vorband mit einem eigenen Drum-Set vor dem Eigentlichen spielen mussten, war der Sound sehr gut abgemischt, was bei Vorband von so großen Acts wie Life of Agony nicht gang und gäbe ist.
Für mich ein sehr gelungener Auftakt. Das SO36 war zu diesem Zeitpunkt noch eher mäßig gefüllt, sodass ich mich eher auf einen Abend mit viel Platz zum Mitwippen einstellte.
Band: Jud
Wertung: 7/10
Web: http://www.myspace.com/judband
Sturch
Bei der nächsten Band füllte sich das SO36 zusehends, dennoch blieb eine freie Fläche direkt vor der Bühne. Die fünfköpfige Band aus Hamburg begrüßte das Berliner Publikum mit einer mitgebrachten HSV-Flagge. Sänger Dennis schien sehr gut aufgelegt gelegt gewesen zu sein, denn er sprang immer und immer wieder zu den ersten Reihen ins Publikum und versuchte mit direktem Kontakt zu überzeugen. Mir war das auf Dauer etwas zu anstrengend. Das Publikum sah es anscheinend ähnlich, denn eine wirkliche Resonanz ließ sich nicht erkennen. Einen weiteren Minuspunkt bekam die Band für Ironie-Sprüche wie „Berlin – super ihr seid Hammer!“ – Wenn ich mich so umsah, sahen viele im Publikum so aus, als ob sie mit dem Gedanken spielten entweder raus zugehen oder sich einfach auf den Boden zusetzen. Naja, aber mal zur Musik.
Rein musikalisch war das Songkonzept ganz nett aufgebaut. Einleitung, softe Strophe, Hookline-Refrain. Die ersten paar Song gefielen mir sogar recht gut. Leider wurde schnell klar, dass Sänger Dennis nur ein begrenztes Stimmspektrum hatte und so mehr Show machte, um die auf Dauer monoton wirkenden Klänge wett zu machen.
Auf der Bühne trat die Band als Einheit auf, die auch wirklich Spaß zu haben schien. Gitarren und Bass spielten nichts sonderlich außergewöhnliches, konnten jedoch immer wieder durch die Eingängigkeit der Refrain Akzente setzen. Die Drums machten ihre Sache auch gut – solide und eher einfach eingängig.
Mir gefielen die ruhigen Songs von Sturch am besten, mehr in der Art im Wechsel mit ein paar härteren Songs hätte mich auch noch mehr bewegt.
Alles in Allem kann ich sagen, dass Sturch auf Platten oder im Video eine wesentlich bessere Figur machen, was auch das angehangene Video zeigt.
http://myspacetv.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=50934046Band: Sturch
Wertung: 5/10
Web: http://www.myspace.com/sturchmusic
Life of Agony
Nun war es endlich soweit. Inzwischen war kaum noch ein rauskommen um Mal etwas Luft zu schnappen. Die Luft wurde immer stickiger. Life of Agony ließen noch von ihren stagehands die einzelnen Instrumente testen und dann wurde es auch wenig später dunkel auf der Bühne. Ein jubelndes Publikum begrüßte Bassist Alan Robert, Gitarrist Joey Z und Drumer Sal Abruscato. Von Sänger Keith Caputo war noch nichts zusehen. Sobald die ersten Klänge die Bühne verließen tauchte auch die hagere Gestalt Caputos auf und schnappte sich den Mikrofon-Ständer. Das Publikum schien nur drauf gewartet zu haben und ging ordentlich ab.
Die Musik von Life of Agony ist nicht grad die härteste, dennoch gaben die ersten Reihen Gas als ob es ihr letztes Konzert wäre. Leider sah ich auch ab und an einige Kaputte, die mal wieder rücksichtslos um sich traten und schlugen – sorry Leute dafür habe ich kein Verständnis.
Umso schöner war das Schauspiel auf der Bühne. Keith Caputo wirkte wie eine Diva. Unantastbar, zerbrechlich und genial zugleich. Gitarre und Bass hingegen überzeugten durch Kraft in den Instrumenten und in der Bühnenpräsenz. Nahezu jeder Song wurde vom Publikum aufgesogen und in positive Energien umgewandelt. So jagte ein Hit den nächsten und es viel nur wenigen auf, dass die Luft im SO36 inzwischen unerträglich stickig war.
Zwischen den großartig performten Stücken ließen sich Life of Agony allerdings sehr viel Zeit. Diese Pausen wurden weder mit kurzen Sprüchen zum Publikum, noch mit musikalischen Untermalungen gefüllt. Eine gute Möglichkeit um mal wieder Luft zu schnappen, auch wenn sie stickig war.
Natürlich achtetet ich auch stark darauf, ob Keith Caputo die Songs auch so sang wie auf den Scheiben, die ich zu Hause habe. Caputo variierte teilweise sehr stark und ließ sich bei den schweren hohen Töne vom Publikum helfen. Vielleicht hat auch einfach im Laufe der Zeit die Kraft in seiner Stimme etwas nachgelassen – dennoch eine sehr gute Stimme.
Life of Agony gaben nach 90 minütiger Performance noch eine Zugabe. Zwischen dem letzten Song und der Zugabe verließ die Band mit Ausnahme von Sänger Keith Caputo die Bühne. Dieser wendete sich nun das erste Mal etwas länger an das Publikum und bedankte sich für 20 Jahre Treue. Und auch wenn die Band langsam in die Tage kommt, so bleibt sie zum einen ein Publikumsmagnet, denn das SO36 war mit rund 1000 Besuchern restlos voll, zum anderen bleiben Life of Agony aber auch in ihrer Art und Weise einmalig, denn nur selten habe ich die Kombination aus popigen Gesang und metallischen Gitarren so auf das Publikum wirken sehen, wie an diesem Abend.
Band: Life of Agony
Wertung: 8/10
Web: http://www.lifeofagony.com
Fazit:
Ich bin froh mir ein Ticket für diesen Abend geholt und ein Stück Musikgeschichte noch einmal live gesehen zu haben. Auch wenn die Band nicht so klingt wie auf ihren Alben, so wirkte sie doch auf ihre ganz eigene Art und Weise.
Akustik / Licht:
Wie so oft wurde das Licht erst beim Headliner wirklich gut. Anfangs wurden lediglich mit ein bis zwei Farben herum experimentiert, später fand der Lichttechniker anscheinend auch noch die anderen Knöpfe. Der Sound im SO36 war wieder einmal absolut top!
Getränketechnisches:
Ein Berliner gab es für 3,20 € (0,5l), ein Wasser (0,2l) für 1,70 €. Preise also ok.
Preis: 25,- €
Location: SO36 (Sub Opus 36), Oranienstr. 190, 10999 Berlin
Saniäres: Anfangs passabel. Zum Ende hin jedoch eher ein Ort, den ich gerne meiden wollte.











klingt nach einem Konzert ganz nach meinem Geschmack zu einem sehr fairen Preis! Jung da wäre ich gern dabei gewesen! :)
greetings aus der Hauptstadt der Sonne ;)