Marilyn Manson – 18.11.09 – Tempodrom – Berlin
20. November 2009 von das hainkind
Regenerisch, so wie es sich für den November gehört, jedoch bei 10 Grad, suchte ich das Berliner Tempodrom auf, um mir am 18.11.2009 Marylin Manson samt Vorband esOterica anzuschauen. Das Tempodrom befindet sich in Kreuzberg und bietet für rund 1500 Leute Platz. Marilyn Manson tourte anlässlich seines neuen Albums „The High End Of Low” quer durch Europa – esOterica immer im mit dabei.
Als ich gegen 19:30 Uhr das Tempodrom betrat, waren vielleicht 800 Leute im Saal und auf den Rängen verteilt. Viele schwarze Gestalten kreuzten an diesem Abend meinen Weg. Eine kleine Bar am rechten Rand des Konzertsaals schien die einzige Möglichkeit zu sein, um sich noch etwas Flüssiges für den Abend zu holen. Ein halber Liter Wasser für 3,- € plus 1,- € Pfand machte mich jedoch im ersten Moment etwas sprachlos. Kurz darauf zeigte ein Gong an, dass es nun langsam losging – ähnlich wie in früheren Kinoaufführungen.
esOterica
Punkt 20:00 Uhr begannen esOterica ihre Show. Die Londoner Band bestand aus Gesang, 2 Gitarristen, einer Bassistin und einem Schlagzeuger.
Als erste Band hat man es nicht leicht und das war auch in Berlin nicht anders. Nur schwer kam das Publikum in Gang, obwohl Songs und Performance der Band wirklich sehenswert sind. Die Songs sind abwechslungsreich arrangiert und bringen eine gewisse Würze mit. Der Gesang war spannend aufgebaut und überzeugte mit anständigen Hooklines.
Die Kommunikation innerhalb der Band hätte hier und da noch etwas ausgebaut werden können, sodass das Publikum den Spaß der Band auch miterleben kann.
Nachdem der Sänger jedoch merkte, dass das Berliner Publikum nur schwer auf seine rhythmischen Klatschaufrufe reagiert, schien er ein klein wenig frustriert zu sein.
Dies schmälerte jedoch nicht den Gesamteindruck der Band. Vereinzelte Samples unterstützten die Musik. Gesanglich gab es keinerlei Einwände, alle Töne saßen da, wo sie hingehörten. Hin und wieder hätte ich mir mehr Aggression in Form von Shouts gewünscht.
Stilistisch würde ich esOterica irgendwo zwischen Gothik und New Metal einordnen. Genau das ist es, was die Band so interessant gemacht hat. Nach nur 30 Minuten räumten esOterica die Bühne für den Headliner.
Wenn man esOterica noch ein paar Jahre gibt, bin ich mir sicher, dass diese Band auch in Berlin als Opener überzeugen wird.

Band: esOterica
Wertung: 7/10
Web: www.esoterica1.com
Marilyn Manson
Ein schwarzer Vorhang verhüllte die Bühne und es füllte sich zusehends um die Bühne und auch auf den Rängen. Inzwischen dürften so ungefähr 1300 Menschen das Tempodrom gefunden haben.
Es ist 21:00 Uhr – Dunkelheit füllt das Tempodrom und Rauch tritt an den Seiten des Vorhangs hervor. Die ersten Gitarrenklänge ließen das Publikum jubelnd den Blick nach vorn auf den Vorhang richten. Nachdem Gitarre, Bass und Schlagzeug die Spannung auf den Höhepunkt trieben, fiel der Vorhang. Rauch – überall auf der Bühne war nur Rauch zusehen. Wie in einem Horrorfilm wurde ganz tief in der Bühnenmitte eine Figur sichtbar. Kleine rote Lichtstrahlen zerschnitten den Rauch.
Es war Manson, der ganz langsam nach vorn zum Bühnenrand kam. Er trug Handschuhe, die an den Fingerkuppen mit LEDs besetzt waren. Marilyn Manson wirkte so anfangs wie Freddy Krüger, eine Horrorfigur aus den 80ern.
Nach dem ersten Song tauchte er dann wieder in der Dichte des Rauches ab und war nicht mehr zu sehen. Ein rein visuell schon mal beeindruckender Auftritt. Von der Band war bis dahin nicht viel zu sehen. Hin und wieder wurde ein matter Spot auf den Gitarristen gerichtet, der jedoch neben Manson auf der Bühne verblasste.
Nach dem gelungenen ersten Song wurde es wieder still auf der Bühne. Der Rauch hatte sich noch lange nicht verzogen und deckte die Bühne ein. Manson tauchte zum zweiten Song uniformiert auf und provozierte mit der Bühnendeko, passend zu seiner Uniform.
So änderte sich nach den meisten Songs das Outfit Mansons, der gesanglich eine sehr gelungene Show ablieferte. Licht und Sound waren sehr ordentlich abgestimmt und überzeugten von Anfang bis Ende.
Im hinteren Drittel der Show sei noch zu erwähnen, dass Manson sich ab und an mit seinem Gitarristen anlegte und diesen mit diversen „Fuck You“ – Rufen angriff. Als dieser sich dann auf gleiche Art und Weise wehrte, schwappte der „Dialog“ in Komik um. Als ein Stagehand kurz darauf Manson, der nach nahezu jedem Song sein Funkmikrofon auf den Bühnenboden donnerte, aufforderte dies doch zu unterlassen, wollte Manson ihn zum Stage Diven nötigen – professionell lehnte der Stagehand dankend ab, was Manson ihm mit einen „Fuck You“ dankte.
Insgesamt waren mir streckenweise die Pausen zwischen den Songs einfach zu lang. Zum Ende des Konzertes hin wurden dann doch einige Samples als Pausenfüller verwendet. Die aggressive Grundstimmung auf der Bühne blieb jedoch das ganze Konzert über erhalten. Marilyn Manson ist eine Diva auf der Bühne. Er ist der Star und seine Band bleibt nur Beiwerk.
Im Vorfeld machte Manson mit einem Artikel zum Thema Schweinegrippe auf sich aufmerksam. Fast schon zynisch wirkte sein Griff zur Sauerstoffmaske, die er mehrmals zwischen den Songs benutze.
Natürlich spielte Marilyn Manson auch Klassiker wie „The Dope Show“ – den ich äußerst gelungen fand. Manson schminkte sich am Bühnenrand vorm Publikum. Ein Spot wurde auf der Bühne aufgebaut und Manson präsentierte sich als „star in the dope show“.
Nach 75 Minuten war die Show vorbei. Marilyn Manson gab keine Zugabe, wobei ich mir da nicht ganz sicher war, denn die Pausen zwischen den Songs schienen am Ende des Konzertes immer länger zu werden.
Setlist:
01. Cruci-Fiction in Space
02. Disposable Teens
03. Pretty as a Swastika
04. Irresponsible Hate Anthem
05. Four Rusted Horses
06. Devour
07. Dried Up, Tied and Dead to the World
08. Coma White / Coma Black
09. The Dope Show
10. We’re From America
11. Rock is Dead
12. Sweet Dreams (are made of this) (Eurythmics cover)
13. If I Was Your Vampire
14. The Beautiful People

Band: Marilyn Manson
Wertung: 8/10
Web: www.marilynmanson.com
Fazit:
Beide Bands des Abends sind absolut sehenswert. EsOterica traten als Band auf, hatten es als Opener nicht einfach, machten allerdings ihre Sache souverän und professionell. Marilyn Manson trat wie ein Headliner auf. Eine sehr gut inszenierte Show mit vielen guten Effekten unterstütze die Band und den Gesang Mansons.
Auch wenn es bereits Shows gab, auf denen Marilyn Manson eine eher schwache Figur machte, wirkte er an diesem Abend enorm druckvoll und divenhaft.
geschrieben für: more-metal.com
Akustik / Licht:
Sound und Licht waren sehr gut abgestimmt. Auch hier hatte die erste Band einen Nachteil. Während bei esOterica noch an Lichteffekten gespart wurde, wurde bei Marilyn Manson nicht mit Farben und Stroboskopen gegeizt. Alle Instrumente waren jederzeit gut rauszuhören.
Getränketechnisches:
Nachdem ich ein Wasser für 3,- € + 1,- € Pfand erworben hatte, beließ ich es dabei weiter nach „günstigen“ Alternativen zu suchen.
Preis: AK: 40,- €
Location: Tempodrom, Möckernstraße 10-25, 10965 Berlin
Saniäres: Die Toiletten sind unglücklich direkt gegenüber den Garderoben gelegen. Nach Konzertschluss drängten die Besucher von beiden Seiten, was das Abholen der Garderobe nicht unbedingt zu einem entspannten Erlebnis machte. Die Toiletten waren vollkommen in Ordnung, jedoch direkt nach Konzertende in nicht ausreichender Menge vorhanden.











Zu lange Pausen ist einer der schlimmsten Fehler, die ne Band bei einem Gig machen kann, das das Mr. Manson noch nicht verstanden hat ist erschütternd. Angeschaut hätt ichs mir trotzdem gern…