Nine Inch Nails – 30.06.09 – Arena – Berlin
2. Juli 2009 von das hainkind
Bei schwülem 28 Grad warmen Wetter zog es mich am 30.06.2009 zu Nine Inch Nails in die Berliner Arena in Treptow. Im Vorfeld ging bereits die Meldung um, dass es die vorerst letzte Tour der Band sein wird. Es war daher umso erfreulicher, dass ich noch kurzfristig Karten organisieren konnte und mit Pete, der ein echter NIN-Fan ist, am frühen Abend in Richtung Treptower Arena aufbrach.
Das letzte Mal habe ich die Band 2005 in der Columbia Halle gleich neben dem ColumbiaClub gesehen. Vorband damals waren die großartigen Dresden Dolls. Ich war gespannt wer diesmal den Abend eröffnete. Mit gemischten Gefühlen bin ich damals zum Konzert, in Erwartung auf eine Industrial-Show, die nahe an der Platte ist. Weit gefehlt – damals lieferte die Band um Trend Reznor eine 1A-Rockshow ab.
Auf den Karten stand ein Showbeginn von 19.00 Uhr. Gut – so wie es in Berlin normalerweise üblich ist, reicht diese Zeit locker aus um sich zu treffen noch was zu trinken, denn es war ja heiß und der Körper brauchte Flüssigkeit. Schon am Einlaß hatte sich eine größere Menschenmenge versammelt und ließ es sich kurz vor Konzertbeginn so richtig gut gehen. Da die Arena direkt an der Spree liegt, ließen wir es uns auch nicht nehmen uns ans Wasser zu stellen und Berlin in vollen Zügen zu genießen. Kurz noch ein paar Leuten hallo gesagt und dann rein.
Auch diesmal gab es keine besonderen Vorkommnisse bei den Securities und wir schauten uns den Laden vor Konzertbeginn mal an. Die Arena hatte ich vor einer ganzen Weile schon einmal von innen gesehen. Der gesamte Raum müsste so um die 3000 bis 4000 Leute aufnehmen können. Momentan waren es noch ca. 800 – also noch genügend Platz um mal an die Bar zugehen. Die Arena bot mit drei Bars ausreichend Möglichkeit wirklich schnell an etwas Flüssiges zu kommen. Gesagt getan – ein Bier gab es hier im schnöden 0,3l Becher zu 3,- € + 1,- € Pfand. Alkoholfreies gab es im 0,2l Becher für 2,- € + 1,- € Pfand.
Ein Merch-Stand war schnell gefunden, doch die Preise ließen meine Blicke doch lieber in Richtung Bühne wandern. Die Arena hat den Ruf einen eher schlechten Sound zu haben und das habe ich leider auch selbst spüren / hören dürfen. Auf der Bühne waren unheimlich viele Scheinwerfer aufgebaut. Die Boxen vor der Bühnen sahen im ersten Moment etwas mickrig aus, aber ich wollte erst mal abwarten.
Mew
Mew hatte die ehrenvolle Aufgabe den Abend zu eröffnen. Die fünf Jungs aus Dänemark kamen auf die Bühne und ich war gespannt wen der Headliner sich diesmal als Vorband ausgesucht hatte.
Mew spielen soften Rock, der in Richtung Indie tendiert. Die Stimme erinnerte mich an die der Pet Shop Boys, allerdings versetzt mit Gitarren, Bass und Drums.
Der Sound war keinesfalls optimal – naja, ich hatte nicht mehr in Sachen Sound erwartet. Leider überzeugten mich Mew auch nicht.
Vielleicht lag es an der fehlenden Ausstrahlung, die die Band anscheinend Backstage vergessen hatte.
Sänger Jonas Bjerre konnte mich zwar stimmlich überzeugen, allerdings fehlte ihm die Bewegung und die Nähe zum Publikum.
Nach den ersten paar Songs waren die Strukturen auch klar und mir persönlich zu kommerziell. Ein Hit der Band war „Zookeeper’s Boy“ den die Band auch in der ersten Hälfte des Sets spielte. Als gesangliche Stärke ist auf jeden Fall der gekonnte Wechsel von einer schönen Kopfstimme in warme tiefe Töne.
Mit geschlossenen Augen konnte man wirklich gut mitschunkeln. Als Opener sind Mew eine gute Partie gewesen, ließ aber noch Platz nach oben. Das Licht wurde sehr dezent eingesetzt und der Sound war, wie schon erwähnt, nicht gerade prickelnd.
Band: Mew
Wertung: 7/10
Web: http://www.mewsite.com
Nine Inch Nails
Der Himmel zog sich langsam zu – es sollte noch ein Gewitter am Abend geben.
Die Band brachte in den letzten Jahren wieder so viele Scheiben raus, dass ich mich leider nicht mehr mit den neuen Scheiben „The Slip“ und „Ghosts I-IV“ befassen konnte. 2007 waren es drei Veröffentlichungen und 2008 zwei – da kann man schon mal den Zug verpassen ;)
Die Arena füllte sich zusehends und wir waren guter Stimmung. Kurz vor Konzertbeginn müssten es so um die 2500 Besucher gewesen sein, die nun fiebrig auf Nine Inch Nails warteten. Es war so gegen 21:00 Uhr als es endlich los ging.
Die Lichter gingen aus und es war dunkler als ich es von einem Konzert gewohnt war. Mit einem ungeheuren Lichtgewitter krachten die Jungs um Trend Reznor in ihren ersten Song rein. Das Publikum stand erst einmal wie angewurzelt da, doch schon nach den ersten Takten waren in den ersten Reihen vor der Bühne wehende Haare zusehen – Rock! Dem einen oder anderen mag die Lichtunterstützung zu viel gewesen sein, aber endlich wurden die Scheinwerfer mal genutzt und das nicht zu knapp.
Die typische Pose Reznors, beide Arme eng am Mikroständer und mit beiden Händen das Mikro fest umklammernd, wirkte und ließ jede seiner weiteren Bewegungen noch kräftiger wirken. Eine kleine Drehung mit dem Mikroständer und die ersten Reihen flippten aus.
Schon nach den ersten paar Songs klatschte Trend Reznor den Mengen den Takt vor, der bis fast nach hinten durch aufgenommen wurde. Der Sound war wesentlich besser als bei der Vorband Mew – zwar immer noch etwas schwammig aber trotzdem enorm kraftvoll.
Ich habe im Netz einmal nach einer Setlist gestöbert – falls diese nicht die tatsächliche ist, kann sie unten in den Kommentaren gern korrigiert werden.
01. Somewhat Damaged
02. Heresy
03. 1,000,000
04. March of the Pigs
05. Something I Can Never Have
06. Metal (Gary Numan cover)
07. I’m Afraid Of Americans (David Bowie cover)
08. Head Down
09. The Big Come Down
10. Piggy
11. Non-Entity
12. The Downward Spiral
13. Survivalism
14. Physical (Adam and the Ants cover)
15. Gave Up
16. Burn
17. Wish
18. Home
19. Down In It
20. Hurt
21. The Hand That Feeds
22. Head Like A Hole
Nine Inch Nails gaben bis zum Schluss alles. Die Band gibt es ja nun schon seit mehr als 20 Jahren, doch der Präsenz und der Leidenschaft auf der Bühne tat das keinen Abbruch
Natürlich wartete ich auf den Klassiker „Hurt“. Als ich mir mal wieder den Becher füllen ließ, gab es eine verdächtige Pause im Set – mein einziger Gedanke – „Jetzt kann nur Hurt kommen“ – Treffer! Gänsehaut-Stimmung machte sich breit. Die Band schaffte es immer wieder eine Atmosphäre aufzubauen und dabei jeden Song eigenständig zu halten.
Trend Reznors einzigartige Stimme konnte absolut überzeugen. Er ist nicht der beste Sänger, aber einer der ausdruckstärksten, die ich gesehen habe. So viel Emotionen in Stimme und Ausdruck zulegen ist wahrlich beeindruckend.
Kurz vor 23:00 Uhr war dann Schluss und Nine Inch Nails verließen die Bühne ohne Zugaben. Das ist wohl anscheinend gerade so ein Trend. Ein wunderbarer Abend klingt aus und ich kann auf einen wirklich musikalischen Monat zurück schauen.
Band: Nine Inch Nails
Wertung: 10/10
Web: http://www.nin.com
Fazit:
Meine Erwartungen wurden mal wieder übertroffen. Da es eines der letzten Konzerte von Nine Inch Nails gewesen sein soll, bin ich froh dieses mitgenommen zu haben. Der Sound war dieses Mal auch ganz in Ordnung. NIN überzeugten und machten den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Falls die Jungs doch noch einmal durch die Hauptstadt touren, werde ich sicherlich wieder von der Partie sein.
Akustik / Licht:
Der Sound war besser als erwartet. Leider hatte der Opener Mew die schlechteren Karten was den Sound angeht. Auch das Licht hat mich absolut überzeugt. Es wurde sehr präzise auf den Rhythmus von NIN gelegt und unterstrich mit gewaltiger Wirkung die Akzente der einzelnen Songs.
Getränketechnisches:
Ein Bier gab es im 0,3l Becher für 3,- € + 1,- € Pfand. Alkoholfreies im 0,2l Becher für 2,- € + 1,- € Pfand.
Preis: 42,50 €
Location: Arena Berlin, Eichenstraße 4, 12435 Treptow, Berlin
Saniäres: Es gibt zwei sanitäre Bereiche in der Arena. Eine Klofrau habe ich nicht gesehen. Eine Schlange gab es nur an den Damentoiletten.
Vielen Dank an der Stelle an alle, die meine Reviews regelmäßig lesen und sich auf die kommenden freuen.











also NIN haben defintiv kurz nach 9 angefangen. ziemlich pünktlich im vergleich zu Düsseldorf.
und sind wir doch mal ehrlich: mew war schrecklich. bei jonas stimme kräuseln sich einem die fussnägel. die dann auch noch 2 mal in 2 tagen zu sehen, ist schier unerträglich gewesen. was sich der trent dabei nur gedacht, meine güte.
ansonsten toller review. metal hatte ich glatt verdrängt, da ich mich bei dem song gerade rausziehen ließ und mir anschließend n hübsches plätzchen auf der tribühne gesucht habe. übrigens eine sehr weise entscheidung gewesen, wenn ich mir die nassen menschen unten angeguckt habe.
Also die Setlist stimmt meiner Ansicht nach nicht ganz. Bei der Arena ist ja immer der sound das große Problem und er war besser als erwartet, aber halt nicht so gut wie beispielsweise in der Columbiahalle üblich. Insgesamt fand ich das Konzert auch sehr gelungen.
Eine Kapuzenjacke sollte übrigens 60 Euro kosten, ein T-Shirt 30 Euro. Jemand erzählte mir, am Vortag in D-Dorf hätten die T-Shirts sogar 35 Euro gekostet. Ob die Info stimmt, kann ich nicht beurteilen. Morrissey nahm übrigens auch 30 Euro für seine Shirts. vielleicht sind das die Preise, an die man sich gewöhnen muss.
hey hainkind,
war ja echt ein musikalischer monat für dich. nicht schlecht, nicht schlecht…
mew waren auch bei den Kings of Leon (da haste meiner Meinung echt was verpasst!!!!) Vorband und irgendwie sind die wirklich zwiespältig…
Weiterhin viel spaß mit der mucke
ich meine die preise waren überall gleich. girlie shirts kamen 35 €. vielleicht war jemand ein weib.
Sehr gutes Review :) Ich wäre ja echt gern dabei gewesen!
Mal sehen wann es die ersten NIN-Revival-Bands gibt. Ich denk das ist keine leichte Aufgabe.
Worauf bezieht sich eigentlich genau die Bewertung (10/10)? Du hattest doch ein paar Kritikpunkte.
Beste Grüße aus dem hammerheißen Süden ;)
Cheers Lars
@LaFFiniuM: beide Bands haben unabhängig voneinander eine Wertung bekommen. Bei NIN hatte ich lediglich den Sound zu bemängeln, der für Arena-Verhältnisse allerdings besser als erwartet war. Dieses kleine Manko machte die Show allemal wett ;)
Hi Hainkind,
war diesen Abend auch bei der Show und habe (wahrscheinlich wie alle) geschwitzt wie ein Schwein(!). Gutes Review des Konzerts. Angefangen haben NIN kurz nach neun, mit dem besten Opener, den Trent sich aus seinem reichen Reportouire aussuchen konnte – “Somewhat Damaged” von der “Fragile”. Sound war für die Arena gut bis sehr gut, MEW hatte wie Du schon geschrieben hast, echt das Nachsehen in Bezu auf Ton – da ich diese Band aber eher entsetzt anstarrte, als sie anzuhören, war mir dieser Punkt ehrlich gesagt egal. Habt ihr mal drauf geachtet, was der Sänger für eine Fresse gezogen hat – als ob er kurz vorm heulen ist – zum Ohrfeigen! Der Drummer genauso, habe schon lange nicht mehr so einen schlechten Anti-Techniker (spiele selber Schlagzeug) gesehen, echt grottig…..
Die korrekte Setlist:
Somewhat Damaged
1.000.000
Heresy
March Of The Pigs
Something I Can Never Have
Metal
I´m Afraid Of Americans
Head Down
The Big Come Down
Burn
Gave Up
Piggy
Home
Non-Entity
The Downward Spiral
Wish
Survivalism
Physical
Down In It
Hurt
The Hand That Feeds
Head Like A Hole
Ein Ober-Hammer Konzert mit einem geilem Publikum, einer sehr geilen Setlist und einer blendend aufgelegten Band inkl. Reznor. Die Chemie zwischen der Gruppe und dem Publikum war perfekt! Die Iidioten, die “Hurt” mit ihrem beschissenen Kommentaren und Rufen bei der letzten Tour gestört haben, sind Gott sei Dank weggeblieben.
Auch der Mix des Publikums (Langhaarige, 40-50 jährige Muttis und Papis, NIN Shirt-Träger u.s.w.) war super. Am lustigsten war der Typ neben mir, der sich bei “Hurt” erstmal einen Joint anzündete und mich `breit`anlächelte. :-)
Ein herrlicher Abend!
Gruß,
Nico