The Irrepressibles – 10.05.10 – Columbia Club – Berlin
11. Mai 2010 von das hainkind
Endlich habe ich es mal wieder geschafft mir ein etwas größeres Konzert anzuschauen. Sowohl das Wetter als auch die anstehenden Konzerte lassen momentan sehr zu wünschen übrig. Vor einigen Tagen stieß ich auf The Irrepressibles als ich mal wieder diverse Online Musikmagazine durchstöberte. Mein erster Eindruck war äußerst positiv. Ich kannte die Band bislang nicht, sodass ich auch ohne Vorurteile in die Show gehen konnte.
Ursprünglich sollte das Konzert im “Huxley’s Neue Welt” stattfinden. Der Konzertveranstalter Trinity verlegte dieses jedoch kurzer Hand in den Berliner Columbia Club und verteilte jede Menge Freikarten. Anscheinend bahnte sich ein Abend mit lauter vereinzelten Konzertbesuchern an. Nachdem ich mir mittags meine Konzertkarten käuflich erworben hatte, kam es wie es kommen musste und ich gewann noch zusätzlich zwei. Freudestrahlend ging es also wieder zur Konzertkasse wo mir die nette Dame ebenso freudestrahlend sagte, dass sie die Karten nicht zurücknehmen kann. Nachdem die Farbe in mein Gesicht zurück gekehrt ist, dachte ich nur: “Na gut, dann kann man die ja immer noch vorm Einlass verticken.”
Pünktlich 19:30 traf ich am Columbia Club ein. Ich habe an diesem Abend nicht einen zahlenden Gast gesehen. Der Vorverkauf lief wohl mehr als schleppend. Wenn jetzt noch die Band mies ist, dann würde ich sofort mit dem Herrentag beginnen… Vereinzelte Gäste waren gegen 20.00 Uhr im Columbia Club anzutreffen, der Weg zur Bar war dementsprechend leicht zu finden. Ein Bier gab es für 3,- €, ein Wasser für 2,50 € (Pfand 0,50 €).
Es war noch etwas Zeit sich die Bühne anzuschauen. Ein dunkelrotes Licht erhellte die Bühne und mehrere Spiegel ließen die Bühne noch größer wirken. The Irrepressibles touren derzeit mit ihrer neuen Scheiben “Mirror Mirror“. Ich hatte die Gelegenheit im Vorfeld schon etwas vom Album zuhören. Eine wirklich beeindruckende Stimme wies Sänger, Jamie McDermott, vor. Ich war doch sehr gespannt ob er diesen Level live halten kann.
The Irrepressibles
Um 20:30 Uhr begann ein Intro die ungefähr 100 sitzenden Gäste vor die Bühne zu bewegen. Kurz darauf betrat die 9-köpfige Band die Bühne. Alle Musiker spielten in Kostümen und waren bleich geschminkt. Das Bühnenbild erinnerte an Pantomimenkünstler, die nicht durch ihre Mimik das Publikum verzauberten, sondern vielmehr durch die exakt durchstudierten Bewegungen, die jeder Musiker an seinem Instrument ausübte. Als letztes betrat der Sänger die Bühne. Ein hellblaues Sakko zeugte aus meiner Sicht nicht unbedingt von Geschmack, hob ihn jedoch vom Rest des “Orchesters” ab. Cello, Violine und Bass (um nur einige zu nennen) stimmten sich ein und nur wenig später hauchte McDermott das erste Mal in sein Mikro. Wie ein Elvis-Double stand er im hinteren Bereich der Bühne, der noch nicht gut beleuchtet war und hauchte im Stil eines Dirigenten seinem Orchester den Takt zu.
Überall auf der Bühne waren Neon-Röhren aufgebaut, die beim scheinbar zufälligen Einschalten über die PA ein Knacken, nah am Rande eines Stromausfalls simulierten. Vergleichbar wie in einem Horrorfilm, in dem in einem dunklen Raum immer mal wieder ein Licht aufzuckt, baute die Band schon vor dem ersten Song eine einzigartige Stimmung auf. Kein einziges Wort lies McDermott an das Publikum, dass nun angespannt und erwartungsvoll vor der Bühne anzutreffen war.
Ich vermute, dass es nicht mehr als 150 Besucher gewesen sind. Der Columbia Club war zur Hälfte gefüllt. Bereits bei den ersten Tönen war die Professionalität der Band aus London zu spüren. Eine gänsehautähnliche Atmosphäre stand im Raum und wirkte auf das Publikum ein.
Zwischen den ersten Songs wurde kaum ein Wort seitens der Band verloren. Nach und nach wurde auch der letzte im Raum in den Bann der Band gezogen. Zwischenzeitlich dachte ich mir nur: “Komisch, warum sind kaum Leute hier”. Es ist eine der besten Bands, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Ganz unscheinbar kam es dann zwischen ein paar Songs durch. Sänger Jamie McDermott wisperte im Klang der Musik ein “thank you” dem Publikum entgegen. Erst fiel es nicht auf, aber wenig später nahm das Publikum den ersten Kontakt zum “Dirigenten der Bühne” auf – ein toller Moment, wenn die Künstler menschlich werden.
The Irrepressibles scheinen enorm viele Einflüsse in ihrer Musik zu verarbeiten. Auf der einen Seite wirkte das Auftreten des Sängers mit seiner umgehangenen Gitarre wie ein Elvis-Double, auf der anderen Seite hatte sein divenhaftes Auftreten aber einen Hauch von Freddie Mercury. Das ganze Bühnenbild erinnerte mich ein wenig an die künstlerische Vielfalt der Dresden Dolls und die Energie von Muse. Sicher sind alle genannten Bands und Künstler auf ihre eigene Art außergewöhnlich und nur schwer zu kopieren, es geht ja auch nur um Einflüsse.
Sänger Jamie McDermott setzte sich in ein ganz eigenes Licht. Erst zum Ende des Konzertes hin richtete er ein paar Worte an das Publikum und bedankte sich. Als ihm dann einmal der Gitarrengurt riss und er doch schmunzeln musste, gewann er auch deutlich an Sympathie. Auf seinem hellblauen Sakko befand sich eine Dekoration, die einer schwarzen Salzkristallformation glich. Um die Diva hier und da mal rauszulassen ließ er hier und da ein paar schwarze Federn fallen, ganz zur Freude des Publikums.
Nach 60 Minuten Faszination, 21:30 Uhr, verließ die Band die Bühne. Das Publikum forderte promt eine Zugabe und nur wenig später standen The Irrepressibles erneut auf der selben und spielten zwei weitere Song. Besonderen Anklang fand “In This Shirt”, den das Publikum ganz besonders dankend annahm.
Nach einer letzten Zugabe und einem neuen Song zum kommenden Album, bedankte sich die gesamte Band beim Publikum und ein großartiger Konzertabend ging um 22:00 Uhr zu Ende.
The Irrepressibles live im Columbia Club Berlin am 10.05.2010
http://www.youtube.com/view_play_list?p=9E59047C4F89BA4EThe Irrepressibles sind:
Jamie McDermott – guitar / vocals
Sarah Kershaw – piano
Amy Kelly – percussion
Jordan Hunt – violin
Charlie Stock – viola
Nicole Robson – cello
Sophie Li – double bass
Craig White – oboe / cor anglais
Anna Westlake – clarinet / saxophone
Band: The Irrepressibles
Wertung: 10/10
Web: www.theirrepressibles.com
Fazit:
Sprachlos trifft es am besten. Ich fragte mich zwischenzeitlich wieso die Band keine Vorband dabei hatte. Aber ganz ehrlich, mir fällt keine Band ein, die zu dieser Band passen würde. Wer die Gelegenheit hat sich diese Band einmal live anzusehen und Lust auf etwas außergewöhnliches hat, der sollte sich The Irrepressibles unbedingt einmal anschauen.
Akustik / Licht:
Der Sound war 1A! Es gab nicht zu meckern, obwohl ich mir beim Knacken der Neon-Röhren nicht ganz sicher war, ob das nicht auf Dauer schädlich für die Anlage sei. Das Licht war exakt abgestimmt auf die Band und unterstützte die Stimmung des Abends.
Getränketechnisches:
Ein Bier gab es ab 3,- € und ein Wasser ab 2,50 €. Red Bull oder andere tolle Sachen sind ab 5,50 € zu erwerben.
Preis:
AK: 24,- €
Sanitäres:
Ausreichend vorhanden mit einer Klofrau vor der Tür – top!
Location:
Columbia Club (C-Club), Columbiadamm 9-11, 10965 Berlin














Nun, ich gehörte zu den wenigen (?) zahlenden Gästen, die sich brav vorher ein Ticket gekauft haben und mir tut es trotzdem um das Geld nicht leid. Ich wünschte, die Band hätte mehr verdient an diesem Abend…
Aber egal. Es war grandios, fantastisch, glückseligmachend. Ich hoffe sie kommen bald wieder.
Stimmt, die Band hat sich auch meinen Eintrittspreis verdient. Ich meinte ja auch, dass ich keinen Besucher gesehen habe, der eine Eintrittskarte an der Abendkasse gekauft hat ;)
Listen to the radio INTERVIEW with Jamie in Berlin:
http://www.radioeins.de/programm/programmbeitraege/20100510/the_irrepressibles.html
See the whole Berlin spectacle as mini VIDEOS:
http://www.youtube.com/view_play_list?p=9E59047C4F89BA4E